Bayern Labo

Das Jahr 2024, in dem sich die Gründung der Bayerischen Landeskulturrentenanstalt zum 140. Mal jährte, stand ganz im Zeichen des Erfolgs. Die BayernLabo erwirtschaftete ein Rekordförderergebnis in Höhe von 3,2 Mrd. Euro, davon 1,9 Mrd. Euro in der Wohnraumförderung mit 12.871 geförderten Wohnungen und 1,3 Mrd. Euro im Kommunalkreditgeschäft. Die Digitalisierung unserer Arbeits- und Serviceprozesse sowie die Ausrichtung auf die Kriterien und Rahmenbedingungen zur Berücksichtigung von Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Sozialfragen (Environmental, Social and Corporate Governance, kurz ESG) sind in vollem Gange. Die 226 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden seit 2019 von Dr. Ulrich Klein (Sprecher der Geschäftsleitung) und Christian Wunderlich (Mitglied der Geschäftsleitung) geführt. Die bewegte Erfolgsgeschichte begann 1884. 

Die Gründung der Landeskulturrentenanstalt

König Ludwig II. rief am 21. April 1884 mit seiner Unterschrift unter das Gesetz die Königlich-Bayerische Landeskulturrentenanstalt ins Leben. Die Anfänge waren bescheiden, denn weder ein eigenes Dienstgebäude noch hauptamtliches Personal standen zur Verfügung. Die Arbeit lag in den Händen einer Kommission hoher Beamter aus dem Innen-, Finanz- und Justizministerium. Ihre Aufgabe war die Kapitalbeschaffung für sogenannte Kulturunternehmungen wie Wasserbaumaßnahmen oder die Urbarmachung von öden Flächen.

Förderschwerpunkt sozialer Wohnungsbau

In den Ballungszentren herrschte um die Jahrhundertwende große Wohnungsnot, da viele Menschen vom Land in die Städte zogen, um dort eine Anstellung in der Industrie zu finden. Die Errichtung von Kleinwohnungen für die sozial schwächere Bevölkerung legt 1908 den Grundstein für die Förderung des sozialen Wohnungsbaus – einen bis heute wichtigen Geschäftsbereich. 

Reform der Landeskulturrentenanstalt: mehr Bank – weniger Staat

1929 wurde die Landeskulturrentenanstalt grundlegend reformiert. Die Geschäftstätigkeit war gewachsen, sie benötigte dringend frische finanzielle Mittel. Um sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren, war es erforderlich, dass die Landeskulturrentenanstalt eine eigene juristische Person wurde. Sie blieb eine Staatsanstalt mit gemeinnützigem Auftrag, wurde aber zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine rechtlich eigenständige Institution.

1931 konnte die Landeskulturrentenanstalt ein eigenes Geschäftsgebäude beziehen, das Palais Preysing-Neuhaus in der Prannerstraße 25. Da die Beschäftigtenzahl in den 30er-Jahren enorm zunahm, wurden weitere Büros im Nachbargebäude angemietet. 1939 gab es 153 Beschäftigte.

Zweiter Weltkrieg

Wenige Jahre später, im April 1944, wurden das Palais sowie das Nachbargebäude bei einem Luftangriff zerstört. Der Großteil der Büros war rechtzeitig aus München in das Erholungsheim Aiterbach am Chiemsee ausgelagert worden. Nach dem Krieg war die Landeskulturrentenanstalt in Baracken untergebracht.

Aus Landeskulturrentenanstalt wird Bayerische Landesbodenkreditanstalt

Nach dem Krieg herrschte eine dramatische Wohnungsnot. Ziel der Landeskulturrentenanstalt war es, die Wohnungsbaufinanzierung zum Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit auszubauen. Mit dem Gesetz vom 19. April 1949 über die Bayerische Landesbodenkreditanstalt wurde die Landeskulturrentenanstalt ein Organ der Wohnungspolitik des bayerischen Staates und erhielt einen neuen Namen. Am Begriff „Anstalt“ wurde festgehalten, um die Gemeinnützigkeit erkennen zu lassen.

In den 1950er-Jahren folgte eine beispiellose Steigerung der Umsätze und Beschäftigtenzahlen. Im Jahr 1954 bezog das Unternehmen mit 420 Angestellten den neuen Firmensitz in der Kapellenstraße 4.

„Labo“ wird größtes Realkreditinstitut der Bundesrepublik

Bis Mitte der 1960er-Jahre bildete die soziale Wohnungsbauförderung den Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit. Mit dem Wandel Bayerns von einer überwiegenden Agrarwirtschaftsstruktur hin zum „Industrieland“ trat die Finanzierung der Energiewirtschaft zusehends in den Vordergrund. Mit einem Bilanzvolumen von rund 3 Mrd. DM war die Bayerische Landesbodenkreditanstalt 1959 die größte Grundkreditanstalt Deutschlands.
 

Fusion mit der Bayerischen Gemeindebank Girozentrale

Die stetige Expansion des bundesdeutschen und bayerischen Kreditgewerbes wurde seit den späten 1950er-Jahren von einer Deregulierung der Finanzmärkte flankiert, die eine deutliche Verschärfung des Wettbewerbs nach sich zog. Die Landesbodenkreditanstalt konnte aufgrund ihrer gesetzlich verankerten Struktur und der dadurch zusätzlich verschärften Konkurrenzsituation nicht ohne Weiteres mit einer Ausweitung der eigenen Geschäftstätigkeit hin zur Universalbank begegnen.

1972 fusionierte die Bayerische Landesbodenkreditanstalt mit der Bayerischen Gemeindebank Girozentrale zur Bayerischen Landesbank Girozentrale. Die BayernLabo ist seither eine rechtlich unselbstständige Anstalt der Bayerischen Landesbank.
 

Wohnungs- und Städtebauförderung in Thüringen

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm die Landesbodenkreditanstalt 1991 durch den Treuhandvertrag mit dem Freistaat Thüringen für die Anfangszeit die Wohnungs- und Städtebauförderung in Thüringen und verwaltet den Darlehensbestand bis zum Auslauf.

Umfirmierung in BayernLabo

Aufgrund des Wegfalls der Gewährträgerhaftung organisierte sich die Bayerische Landesbank um und firmiert seit 2005 als „BayernLB“. Die Bayerische Landesbodenkreditanstalt änderte ihren Namen in „BayernLabo“. Da sie im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Auftrags arbeitet und ein wettbewerbsneutrales Geschäftsmodell verfolgt, war die BayernLabo nicht von der Aufhebung der Gewährträgerhaftung betroffen. 

Der Freistaat Bayern haftet zu 100 Prozent unbedingt, unbefristet und unwiderruflich für die BayernLabo. Die langfristigen Anleihen der BayernLabo werden aufgrund der Staatsgarantie mit Aaa von Moody’s geratet. 

Kommunalbank des Freistaats Bayern

Seit 2006 unterstützt die BayernLabo als Kommunalbank des Freistaats Bayern bayerische Kommunen und öffentlich-rechtliche Zweck- und Schulverbände bei der Finanzierung ihrer Investitionsvorhaben. Neben individuell zugeschnittenen klassischen Kommunalkrediten bietet sie spezielle Förderprogramme für Investitionen in die kommunale Infrastruktur an. Das Kommunalkreditgeschäft ist das zweite wichtige Standbein der BayernLabo als Heimatförderer.
 

Eröffnung Förderstützpunkt Grafenau

Der Förderstützpunkt Grafenau wurde 2016 im Rahmen der Heimatstrategie der Bayerischen Staatsregierung geschaffen. Deren Ziel war es, Behörden und staatliche Einrichtungen in die Regionen zu verlagern, um die weitere Entwicklung des ländlichen Raums zu fördern. Dr. Markus Söder eröffnete als damaliger Finanz- und Heimatminister den neuen Förderstützpunkt der BayernLabo.

Entwicklung bis heute

In den letzten Jahren beeinflussten nicht vorhersehbare Ereignisse wie die Zuwanderung von Geflüchteten 2015/2016, die Corona-Pandemie 2020 sowie die Geschehnisse 2022 in der Ukraine und 2023 im Nahen Osten die Weltwirtschaft und die Rahmenbedingungen für das Fördergeschäft der BayernLabo. Mit verbesserten Förderkonditionen, mit Maßnahmenpaketen des Freistaats und des Bundes sowie mit neuen Förderprogrammen wurde und wird dem angespannten Wohnungsmarkt begegnet. Die BayernLabo ist maßgeblich an der Umsetzung der Maßnahmen beteiligt und wird auch in Zukunft als Organ der staatlichen Wohnungspolitik und als Kommunalbank des Freistaats Bayern vertrauensvoll und konstruktiv mit den zuständigen staatlichen Stellen zusammenwirken.