Erfahrungsbericht: Hilfe für Menschen mit Behinderung

Erfahrungsbericht

Lebenswert leben: Hilfe für Menschen mit Behinderung.

Der zwanzigjährige Thomas betrachtet voller Stolz die kleine Holzfigur vor sich auf dem Tisch. Er hat sie mit viel Liebe und höchster Konzentration selber gefertigt. Eine Arbeit, die noch vor einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte – denn Thomas ist ein Mensch mit schwerer Mehrfachbehinderung. Seit über zwölf Monaten lebt er im neuen Wohnheim mit angeschlossener Förderstätte der Helfenden Hände in München. 2012 wurde die Einrichtung zusätzlich zum bereits bestehenden Haupthaus mit 30 Wohnplätzen um vier Wohngruppen mit 24 Plätzen, sieben Förderstättengruppen mit 42 Plätzen und sechs Gästezimmer im Kurzzeitwohnen erweitert. Finanziert aus Eigenmitteln, Spendengeldern der Aktion Mensch, der Stiftung Antenne Bayern und dem Sternstunden e. V. sowie staatlicher Förderung über die BayernLabo..

Für über 50 Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung bildet das neue Wohnheim mit Förderstätte und Kurzzeitwohnen der Helfenden Hände an der Bodenseestraße in München die Plattform für ein integriertes, gefördertes und respektvolles Miteinander im täglichen Leben. Zusätzlich zu der bereits bestehenden Einrichtung aus heilpädagogischer Tagesstätte, Förderschule mit schulvorbereitender Einrichtung sowie Berufsschulstufe, Förderstätte und einem Wohnheim für erwachsene Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung bietet das neue Gebäude nun Raum für 24 weitere Wohnplätze sowie 42 zusätzliche Förderstättenplätze.

Um das Unmögliche möglich zu machen, wurden alle Kräfte gebündelt. Die Stadt München genehmigte die staatliche Förderung und stellte das zu bebauende Areal in Erbpacht zur Verfügung. Die gesamten Baukosten für die neuen Wohn- und Förderstättengruppen, den Zentralbereich und das Kurzzeitwohnen von rund 7.780.000 EUR wurden zum großen Teil mit Hilfe einer Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen finanziert. Die Auszahlung der Fördermittel für das Wohnheim und für die Förderstätte erfolgte über die BayernLabo in vier Raten nach Abzug eines Verwaltungskostenbeitrags von 1 %. Beide Förderbeträge werden bei vertragsgemäßem Verhalten (Zweckbindung der Plätze) nach einer Laufzeit von 30 Jahren erlassen. Dazu kamen Gelder von der Bayerischen Landesstiftung, vom Bezirk Oberbayern, der Aktion Mensch, der Stiftung Antenne Bayern und dem Sternstunden e. V. Der Rest wurde aus Eigenmitteln der Helfenden Hände aufgebracht. Das Ergebnis: Innerhalb von knapp drei Jahren entstand der neue Komplex, der am 21. September 2012 feierlich von Verein, Politik und Förderern eingeweiht wurde.

Nebeneinander – miteinander – füreinander

Ähnlich wie bereits bei der Konzeption des ersten Wohnheims mit Förderstätte sollte auch der Neubau den Charakter eines eigenen kleinen Dorfes bekommen, das zwar in sich geschlossen, aber doch eng mit dem „Nachbardorf“ verbunden ist. Da viele der zukünftigen Bewohner/-innen auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wurde barrierefrei gebaut und alle Räume wurden ebenerdig angelegt. Große Fensterflächen sowie Terrassen- und Gartenbereiche stellen den Kontakt zur Natur her. In jeder Wohngruppe leben sechs Erwachsene mit Mehrfachbehinderung zusammen. Als Rückzugsort hat jeder Bewohner/- innen ein eigenes Zimmer. Pro Wohngruppe gibt es außerdem einen gemeinsamen Wohnraum mit Terrasse und ein Pflegebad. Auch in den Förderstätten kommen jeweils sechs Beschäftigte in einem Gruppenraum zusammen. Zusätzlich wurden Werkräume für verschiedene Arbeits- und Beschäftigungsangebote eingerichtet ebenso wie spezielle Therapieräume, Abstellmöglichkeiten für Hilfsmittel, ein Mehrzweckraum und Mitarbeiter-Appartements.

Die neuen Gebäude entsprechen alle den Auflagen der EnEV 2009, dem ökologischen Kriterienkatalog der Stadt München sowie umfangreichen Brandschutzauflagen. In den beiden Dörfern leben heute 54 erwachsene Bewohner/-innen mit schwerer Mehrfachbehinderung in neun Gruppen zusammen (24 davon im Neubau). Ergänzend ermöglichte der Verein Sternstunden e. V. die Errichtung von sechs Gästezimmern zum Kurzzeitwohnen von Menschen mit Mehrfachbehinderung für den Fall, dass Eltern, betreuende Verwandte und Freunde vorübergehend nicht die volle Pflege leisten können. Mit den neuen Gebäuden in der Bodenseestraße haben die Helfenden Hände mit Unterstützung von Politik, Förderern und der BayernLabo einen Ort geschaffen, an dem Menschen barrierefrei und in sozialer Teilhabe optimal gefördert und betreut werden können.

Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung zu begleiten und zu fördern ist seit 1969 die Aufgabe der Helfenden Hände. Entstanden aus einer Elterninitiative, unterhält der gemeinnützige Verein heute verschiedene Einrichtungen, um diese Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen durch fachlich qualifizierte Mitarbeiter/-innen in der Tagesstätte, bei der Arbeit und Zuhause zu unterstützen.